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AfrikahilfeTipps für KollegenHeidenau 17.05.2010
Liebe Kollegen
mein Name ist Frank Würfel. Ich bin Zahnarzt in Heidenau, Sachsen und habe im Rahmen des Projektes „Ärzte helfen“ vom 8.4.10 bis zum 29.4.10 in Serrekunda/Gambia in der ASB Klinik in Serrekunda im Ortsteil Dippakunda gearbeitet.
Ich bin von meinen Vorgängerzahnärzten und der Klinikleitung – Gudrun und Beatrice sehr nett empfangen worden.
Dadurch wurde mir die Eingewöhnung sehr erleichtert. Dennoch empfand ich es als schwierig, in manchen Situationen am Anfang richtig zu reagieren und im Tagesablauf und Arbeitsablauf gleich immer zu wissen, wie man sich richtig verhält. Deshalb habe ich beschlossen, meine Erfahrungen aufzuschreiben und weiterzugeben. Bitte!! Das heißt nicht, dass meine Meinung immer richtig oder optimal ist. Entscheiden sollen Sie selbst und vielleicht ergänzen Sie meine Zeilen mit Ihren Ratschlägen, so dass nachfolgende Zahnärzte aus einem Pool von Erfahrungen schöpfen können.
Ich werde versuchen, die folgenden Seiten thematisch zu sortieren.
0. Zahnarzteinsatz in Serrekunda
--empfohlene Aufenthaltszeit eines deutschen ZA (von mir) max. 14 Tage,
--empfohlene Anreise (von mir) Donnerstag, dann einfuchsen Fr, Sa - So frei - 1 Woche arbeiten (Mo-Sa) - So frei - Arbeiten Mo, Di - frei Mi, Do - Abreise Do - Ankunft in Deutschland am Freitag - reaklimatisieren
--empfohlene Häufigkeit von Zahnärzten in Serrekunda: Zwischen 2 Zahnärzten Pause ca. 4-6 Wochen, da kann der Oral health worker arbeiten und es können Privatpatienten gesammelt werden, die für mehr Geld beim Weißen behandelt werden wollen
--deutsche Assistenz nicht erforderlich, da Ousman )OHW)und Bashir (Assistent) sonst nur untätig herumsitzen, es sei denn, einer oder beide sind nicht mehr in der Klinik beschäftigt
--Arbeitsweise: Ousman und der deutsche Kollege wechseln sich ab, wenn beide da sind, bzw. der deutsche Kollege arbeitet , wenn Ousman Kurse am der Universität besucht
--wer hat, sollte seinen Partner mitbringen, da die Nachmittage auf die Dauer doch lang sind, und Besichtigungen zu zweit mehr Spaß machen (betrifft nur die, die das betrifft)
1. Unterkunft:
--Ich wohnte zunächst in der Roc heights lodge in Bakau in der Nähe von Cape Point. Diese Gegend gilt als die Sicherste im Großraum Serrekunda. Man kann sich hier auch nachts frei bewegen, überall sieht man Wachen vor irgendwelchen Botschaften oder Gebäuden internationaler Vereinigungen.
--Die Unterkunft ist nicht ganz billig. Bei einem Kurs von derzeit 35 Dalasi für einen Euro bezahlt man in diesem Guesthouse für ein Einzelzimmer mit breitem Bett 1400 Dalasi /Nacht mit Sitzecke ohne Küche aber mit Wasserkocher; und für ein Doppelzimmer, 1900 Dalasi/ Nacht. Das 1900 Dalasi Zimmer ist ein Apartment mit 2 großen Räumen, Küchenecke und Balkon. Die Bäder sind sauber, WC mit Brille (fand ich wichtig), Moskitonetz – nicht sehr feinmaschig (ich nutze mein eigenes 60 Euro Netz). Ich hatte gutes Internet, Frühstück war relativ einfach aber o.k.: Ei, Käse, Marmelade, Honig, Brötchen, Croissants, Kaffee, Tee, Obstsalat, Cornflakes, Saft, Milch. Der Garten ist grün, das Personal sehr freundlich.
--Es war ganz unproblematisch, sich mit der Chefin (heißt hier Boss) auf 1000 Dalasi/Nacht im Einzelzimmer und 1400 Dalasi im Einzelzimmer für 2 Personen (z. B. Zimmer 23 – 1 großes Zimmer mit Doppelbett) zu einigen. Ich musste es nur ansprechen. Nach meiner persönlichen Erfahrung (ich bin einmal umgezogen) ist die Seite mit den ungeraden Zahlen deutlich ruhiger als die andere Seite (da wohnen mehrere Hähne und der Muezzin).
--Alternativ habe ich mir ca. 12 andere Guesthouses beim joggen angesehen, sowohl hier in Bakau, als auch im Stadtteil Fajara, welcher auch bekanntere Guesthouses hat und wo Gudrun und Beatrice wohnen und in Kotu und Kololi. Die Preise der Gästehäuser variieren zwischen 800 bis 1300 Dalasi/Nacht. Kein Haus ist in Sachen Sauberkeit und Gepflegtheit mit Roc heights zu vergleichen. Allerdings haben Afrika Heratige (800 D.) und Safari Garden eine nette Außenanlage mit Pool, aber die Zimmer … .
--Die Hotels an der Küste Richtung Süden sind sehr vielfältig. Preise zwischen 40 und 240 Euro die Nacht im Doppelzimmer. Es gibt nette und vielleicht ist es günstiger, von Deutschland aus ein Hotel mit Flug zu buchen. Fahrtzeit zur Klinik 20 – 40 Minuten, je nachdem, welches Hotel gewählt wird. Ich bin nach 10 Tagen in das Sunset Beach Hotel gezogen, wegen Meer und Pool. Ich war sehr zufrieden.
Direkt am Meer gelegen, mit kleinem Swimmingpool und Poolbar, Liegebereich, Tischtennisplatte bezog ich ein Apartment im 1. Stock eines 1stöckigen Apartmentblocks direkt neben dem Poolbereich mit Blick darauf, Abendsonne und Blick aufs Meer im Hintergrund. Ein Doppelbettschlafzimmer mit Air Kondition, davor ein kleiner Raum mit Sitzecke, kleine Küche, sauberes Bad, Morgensonne am Bett, Fernseher (wer braucht so was) und kleiner Terrasse. Internet im Foyer. Preis nach!! Verhandlung 1200 D/nacht für eine Person, 1500D/nacht für zwei.
Übrigens, das Kololi Beach Hotel hat einen eigenen Golfplatz mitten in der Anlage, die ideale hole-in-hole Chance, weil kurze Löcher, deftige Preise!
Die Strände sind sandig und breit.
2. Mücken
--jeder entscheidet selbst für sich, ich schreibe hier nur, was ich gemacht habe
--ich nehme Malarone, 2 Tage vor Einreise bis 7 Tage nach Ausreise, 1 am Tag, keine Probleme, andere nehmen Doxycyclin, da wurde mir aber wegen der gelegentlichen Phototoxizität abgeraten.
--Kleidung hab ich zu Hause mit Mückenschutz gewaschen, würde ich nicht wieder tun,
--Hosen und Tshirts habe ich vor Ort eingesprayt, hält 4 Wochen mindestens laut Hersteller.
--Wenn es dunkel wird, schmiere ich schön Autan auf die Fußfesseln, Arme, Beine, Gesicht und Birne. Ganz bleiben Mückenstiche dennoch nicht aus, wahrscheinlich gibt es Mücken mit verstopfter Nase
--Raumspray, für die, die abends in geschlossenen Räumen schlafen, würde ich empfehlen, riecht nur kurz, hilft aber auch nicht 100%.
--ich schlafe bei offenem Fenster, hab aber auch ein sehr gutes Netz – absolut dicht, Vorteil, man hört früh die Vöglein, Nachteil auch den Muezzin – nicht im Sunset Beach
--Das eine laufende Klimaanlage Mücken davon abhält , hereinzufliegen, wurde definitiv noch nicht auf gambisch mückisch übersetzt
3. Viecher aller Art
--Ich habe festes Schuhwerk mit, hab es aber nur bei meinen Expeditionen getragen, sonst nur Schlappen, nach meiner Erfahrung völlig unproblematisch
--Sollte mal ein Gecko an der Decke kleben – lassen, der Frist die kleinen Stichlinge
4. Verdauung
--meine Vorgänger hatten wohl gar keine Probleme, ich bin jedoch ein Ägyptengeschädigter, deshalb sehr vorsichtig
--die ersten Tage hatte ich Brot und Kuchen von zu Hause mit, und war nur in teuren Gaststätten!?! Dann hab ich hier Konserven, Jogurt und anderes Verschlossenes gekauft. Man kann fast alles kaufen, um selber zu kochen. Mittlerweile esse ich alles, es sollte nur heiß sein, oder sicher mal gewesen sein, oder geschält, aber das ist das Obst hier fast alles.
--man sagt, Frisches vom Strassenstand wäre unbedenklich, kann sein.
--Zähneputzen tue ich mit Leitungswasser, würde ich aber nicht in jeder Lodge tun, aber : wo ihr das Geschirr nutzt, was auf den Zimmern steht, da könnt ihr auch Wasser aus der Leitung – nicht trinken – aber zum Putzen nehmen, meine ich.
5. Telefonieren
--Wir haben hier eine gambische SIM card, die wir weitergeben, da lädt uns Alasana der Fahrer Prepaidguthaben auf. Es soll deutlich billiger sein, als mit dem eigenen Handy zu telefonieren, ich glaube vom Handy hier ins deutsche Festnetz 10 Cent.
--Noch billiger könnte es sein, vom Festnetz zu telefonieren. Das kann ja mal einer erforschen.
6. Fahrer
--Alasana ist ein sehr netter 37 jähriger Mann, spricht gut englisch, fährt ordentlich, testet am Anfang ganz gern mal, wie oft und wie lange man den Doktor warten lassen kann. Das ließ sich aber einfach klären. Laut Klinikleitung steht uns der Fahrer immer (7 Tage die Woche den ganzen Tag zur Verfügung). Er kann also auch am Wochenende für Trips oder mal abends in Anspruch genommen werden, ohne das Spritgeld oder Trinkgeld erforderlich sind.
--Spritgeld wird aus dem Fond des Vereins bezahlt. Er holt Euch früh ab und bringt Euch abends wo auch immer hin. Sein Auto war gewöhnungsbedürftig, aber jetzt fahren wir mit dem Mercedes der Klinik.
7. Wetter
--Ich kann nur vom Zeitraum April reden. Es ist warm, aber man schwitzt sich nicht tot, außer bei der Arbeit manchmal. Es weht immer ein Wind, manchmal ein recht Frischer. Ich brauchte selten eine Jacke.
8. Ausfüge
Folgende Ausflüge habe ich gemacht oder geplant:
1. Banjul: kleine , sehr schmutzige Stadt, Triumphbogen, Albertmarket… nichts davon sehenswert, Ich war trotzdem dort, aber es lohnt nicht
2. Schlangenfarm. Fand ich sehr interessant, ca. 1 Stunde Fahrt, 100D. Eintritt, ca. 1 Stunde Führung
3. Fischmarkt in Bakau, beste Zeit 17 -19 Uhr, da kommen die Fischer rein, vom Fischrestaurant oberhalb gut zu übersehen, wer will, soll reingehen
4. Abuku Park, evt. mit Zwischenstopp auf dem Abuku Tiermarkt, 22km von Serrekunda, nett
5. Laminlogde und die Bolongs (Seitenarme des Gambiaflusses) entlang der Mangrovengebiete, nahe Serrekunda
6. Freiluftmuseum – Tanji village Museum, zur Vergangenheit Gambias, ca. 1 Fahrstunde von Serrekunda, sehr gut
7. Bjielo Forestpark, auch Affenpark genannt, nahe Serrekunda in Kololi, nett
8. Kachikally Krokodilpark in Serrekunda, nett
9. Markt in Dippakunda, gleich neben der Klinik, extrem aber sehenswert
10. Motorbootfahrt von der Denton brigde aus zu Dogs Island, Ziel ist es , Delphine zu sehen (hab ich nicht gemacht)
11. Wreslingwettkämpfe nahe Serrekunda (hab ich nicht gesehen)
12. Golfplatz in Serrekunda – Fajara, Sandwüste, lasst es sein, evt. Golf im Kololi Beach Hotel, 450D. 18 Löcher
13. Autotour - über Banjul – Fähre nach Barra ans Nordufer, dann 30 km nach Juffure (Roots), Touristennepp vom Feinsten – auch als Bootstour möglich (nicht gemacht)
14. Kiang west Nationalpark, 2 Tagestour, Übernachtung evt. im Tentaba camp, hier sieht man angeblich die meisten afrikanischen Wildtiere, die man in Gambia sehen kann (stimmt, in einem Land, wo es kaum noch Tiere gibt, sieht man im Park –nix), das Camp und die Fahrt sind ein Erlebnis, der Park ein Flop
15. Brikama, Holzmarkt, viele Schnitzerarbeiten
16. Makasuka Naturpark, sehr gut
Wer damit fertig ist, darf ruhig nach Hause fahren oder plant Trips ins urtümliche Gambia noch weiter flussaufwärts, da reichen 2 Tage nicht
9. Trinkgeld
--Ich habe, wie alle anderen wahrscheinlich auch, erst mal viel zu viel gegeben. Laut einer deutschen Studentin, die hier für ein Jahr in einer Gastfamilie wohnt, sind 15 – 20 Dalasi für die Inanspruchnahme eines Guides für ca. 30 Minuten angemessen. Im Sammeltaxi zahlt ein Gambier 5 Dalasi, eine Apfelsine, geschält auf der Strasse kostet 3-5 Dalasi, ein Korbschieber am Flughafen ist mit 5-10 Dalasi gut bedient, auch wenn er das anders sieht. Also macht Eure Fehler selber, aber bleibt stark. Tipp: Wenn Euch einer zutextet, festhält, nervt - lächeln, immer weiter gehen, deutsch reden.
--Manchmal hilft auch zu sagen, das ihr keine Touristen seit, sondern hier als Doktors arbeitet.
--Alasana gebe ich pro Woche ca. 300 D. Trinkgeld und am Schluss noch mal was.
10. Klinik
--Alle sind sehr, sehr nett. Sprechzimmer ist gut eingerichtet. Es fehlt immer mal was, aber dass lässt sich durch gute Kommunikation zwischen uns Zahnärzten minimieren. Allerdings ist eben alles gebraucht, es kann also immer mal was kaputt sein. In wieweit die Gerätschaften bei längerer Abwesenheit deutscher Zahnärzte verschwinden, kann ich nicht beurteilen, aber die Gefahr ist sicher da.
--Toilette ist auf dem Dach, sauber, Papier immer sicherheitshalber mit hoch nehmen.
--Es schreit öfter mal eine Frau, es wird halt viel entbunden.
Nun ein paar Tipps zum Sprechzimmer:
10-1.Kompressor
--steht auf der oberen Terrasse. Er neigt dazu, immer mal die Sicherung am Gerät auszulösen. Dann lädt er nicht mehr automatisch auf. Irgendwann ist das Druckgefäß leer und nix geht mehr. Da muss der Assistent nach oben, die 4 Halterungen des Deckels lösen, diesen anheben, Vorsicht!!, da hängen innen Kabel dran, kurz auf den roten Knopf drücken. Dann muss er den silbernen Knopf eine Weile halten (am Rand der Außenhülle), der sonst vom Deckel heruntergedrückt wird, bis der Druck wieder aufgebaut wird. Meist kann man nach dem Drücken des roten Knopfes auch den Deckel gleich wieder aufsetzen, alle 4 !! Halterungen wieder schließen und der Druck baut sich alleine auf.
10-2.Absaugmaschine
--steht im Zimmer unter der Spüle. Ist wohl unverwüstlich.
10-3.Digitales Röntgen
--Ich musste erst nach Afrika fahren, um mal digital röntgen zu dürfen. Alle Schalter anschalten, er gibt 2 Halter für den Sensor (einen für rechts oben und links unten, einen für die beiden anderen Seiten. Fingerling über den Sensor ziehen, den richtigen Zahn auf der Scala drücken, den Knopf RVG drücken, Sensor platzieren, schwarze Seite Richtung Zahn, zielen und am Auslöser auslösen. Achtung, den Auslöser eine Weile drücken, bis sich langsam das Bild aufbaut. Drucken ist auch möglich. Z. Z ist eine Fotorolle drin und noch eine da. Man kann auch super gebrochene Zehen röntgen. Sensor darf nicht kaputt gehen.
10-4.Zahnsteingerät:
-- Zsg Knopf drücken, mit Powerknopf Intensität einstellen, los geht es
10-5.Bohren:
--Geschwindigkeit zwischen 20 und 100 % wählen, am hellen Fußanlasser, rechte Rolle kurz nach vorn drehen, dann geht an der Einheit ne Lampe an für „Wasser ist an“, 3. Taste von links am Arztelement zeigt eine Lampe, diese drücken und das Licht geht an (wie im Märchen), dann mit Fußschieberegler normal antreiben.
--An der Turbine kommt sehr viel Wasser, evt. am Griffrad runterregeln.
--Linkes Rollrad am Anlasser ist für rechts-links.
--Wenn kein Wasser mehr kommt – Flasche auffüllen
10-6.Hygiene.
--Derzeitiger Stand ist, dass wir Flächen und Gerätedesinfektion mit reinem Alkohol betreiben (unverdünnt) (erhältlich bei Gudrun), da gibt es auch die Soft tissues, die auch als Halsservietten genutzt werden.
--Es gibt keine Mittel zum Spülen des Frisch- oder Abwassers der Einheit, wie wir es kennen. --Keine Alternativmittel wie Bleiche, Essig, Seifenlösung o. Ähnliches verwenden. (macht die Schläuche kaputt und der Schaum stört das Abscheidersystem). Wenn spülen, dann mit kaltem Wasser und nicht zu große Wassermengen auf einmal.
--Steri wird abends angemacht
--Spritzen und Kanülen kommen in einen Behälter, Amalgamreste nicht.
10-7.Instrumentenreinigung
--Nach einer Behandlung räumt der Assistent auf, wäscht die gebrauchten Instrumente sofort mit Wasser ab, legt sie danach ins Instrumentenbad (da hält es länger). Nach mindestens 20 Minuten kommen die Instrumente wieder unter fließendes Wasser, werden abgetrocknet und kommen aufs Tray, später in den Heißluftsteri. 180 Grad, 30 Minuten und los geht es. Ist das nicht schön einfach?? Hand- und Winkelstücke werden mehrfach pro Woche im Autoclav der Klinik sterilisiert. (wir bringen sie zu Lars).
--Wer die Winkelstück unbedingt im Steri sterilisieren will – max. 150 Grad!!
10-8.Assistenten
--Bashir ist der Hauptassistent. Er macht das ganz gut, aber man sollte immer mitkucken. Er ist immer da.
--Ousman ist der Oral health worker, steht also über Bashir in der Qualifikation, er assistiert auch, schaut genau zu, möchte auch gern selber arbeiten. Nach seiner Aussage ist er sehr erfahren in Extraktion und Füllungslegung. In der Tat hat er beides sehr genau und vorsichtig also gut gemacht. Man kann ihn problemlos auch alleine arbeiten lassen. In der Regenzeit ist er sowieso allein. Aus seinem Zertifikat geht hervor, dass er befugt ist, Füllungen und Extraktionen zu machen, ich habe es gesehen. Liegt bei der Klinikleitung.
10-9.Zimmeranordnung
--Ich habe das Zimmer nach meinen Vorstellungen umgeräumt, weil ich mit den beiden Gambiern hier alleine arbeite. Da liegen jetzt viele Instrumente auf der Arztseite, damit ich sie mir selber nehmen kann.
--Kollegen, die ihre Assistenz mitbringen, werden wohl die Schubfächer umräumen müssen. Aber das sind die gambischen Kollegen schon gewöhnt.
10-10.Material
--Das Zimmer ist zurzeit so bestückt, dass alles vorhanden ist, aber in überschaubaren Mengen. Draußen im Schrank lagern noch Mengen an Diamanten Winkelstückbohrern, Polierern, Wurzelkanalinstrumenten, Skalpellen. Compositematerial und Bonding liegt im Kühlschrank. Zellstoffrollen, Handschuhe, Masken, Alkohol, Händedesinfektion, Händesseife und Watterollen gibt es bei der Klinikleitung.
-Im Schrank vor dem Zimmer liegen Nachfüllmaterialien, Zahnbürsten und Spielzeug Schlüssel bei der Klinikleitung
--In den gelben Kisten auf dem Schrank sind zahnärztliche Dinge, die seltener benutzt werden.
10-11.Steri
--Der ist unverwüstlich und wird von den Assistenten bedient. Bitte keine Winkelstücke rein tun, oder bei maximal 150 Grad.
10-12.Preisliste Die wird gerade überarbeitet. Es gibt 3 Patientengruppen.
1. einfache Afrikaner
2. Afrikaner, die nicht warten wollen, also auch mehr bezahlen können
3. Alle Nichtafrikaner, egal welchen Ursprungs
Das bekommt ihr erklärt.
10-13.Arbeitszeiten
--üblich ist von 9 -14 Uhr. Ich komme meist 10 vor 9. Ich war mal eher da, aber da ist kein Patient da. Manchmal geht es länger, im Schnitt bis ca. 15-15.30. In der Regel ist 14 Uhr an der Rezeption Annahmeschluss.
10-14.Behandlungsablauf
--der Patient kommt in die Klinik, bezahlt vorn an der Rezeption quasi 15 Dalasi Praxisgebühr, kommt mit einem Zettel zu uns, Wir kucken uns den Patienten an, entscheiden, was zu tun ist, sagen dem Patienten, was es kostet (die Assistenten machen vieles selbstständig, schon wegen der Übersetzerei). Wenn klar ist, was wird, gebe ich meist die Anästhesie, dann gehen die Patienten zur Rezeption und bezahlen. Manchmal nehmen die Assis auch das Geld im Zimmer ab und bringen es vor. Auf jeden Fall gibt es fürs Bezahlen einen Stempel, dann kann behandelt werden. Sollten noch Medikamente erforderlich sein, schreiben wir sie auf den kleinen Zettel. Dann bekommen die Patienten diese an der Rezeption. Bei Schmerztabletten gibt es Paracetamol (PCM). Ich schreibe meist 4 oder 6 Stück nach chirurgischen Eingriffen auf.
10-15.Klamotten waschen
--Ich gebe meine schmutzige Wäsche Gudrun mit, deren Hausfee wäscht und bügelt sie gegen Entgelt.
10-16.was gibt es noch:
--zum Reinigen des Speibeckens wird eine Zahnbürste benutzt, danach wird trocken gesaugt oder gewischt
--Bohrerbad wird nur hin und wieder erneuert, wenn es schmutzig ist, ich denke, 2x pro Woche ist o.k.
--nachts wird wegen des Kühlschrankes nicht der Hauptschalter ausgemacht, sondern Einheit und Rö abgeschaltet
Ich habe eine Anleitung für Gudrun geschrieben, was die Assistenten jeden Abend bzw. 1x pro Woche bzw. jeden Morgen zu machen haben. Hänge ich hier an.
Anleitung für das abendliche Fertigmachen des Sprechzimmers
--alle Instrumente gereinigt und abgetrocknet
--schmutzige Instrumente, die nicht mehr gereinigt werden, liegen trocken
--rotierende Instrumente sind gereinigt
--Steri ist eingeräumt und angeschaltet
--alle Arbeitsflächen, Schrankoberflächen sind sauber und aufgeräumt
--Einheit – Lampe, Sitzflächen, Seitenwände der Einheit, Arztelement sind abgewischt
– beide Siebe gereinigt
--Speibecken Abfluss unter dem Keramikdeckel ist sauber und leer
--Absaugschläuche sind abgezogen, durchgespült und wieder angesteckt worden
--wenn Reinigungsmittel für das Abwassersystem vorhanden sein sollte, wird
Einheit durchgeschnorchelt
--Einheit ist ausgeschaltet
--Amalgamator ist aus
--Röntgengerät ist aus
--Turbine, Hand und Winkelstücke werden zum Autoclavieren gebracht
--gebrauchte Handtücher werden zum Austauschen bereitgelegt
--Tagesstatistik ist vollständig
Zusätzlich einmal pro Woche:
--Wenn Spezialöl für die Handstücke vorhanden ist, dann Handstücke wischdesinfizieren, danach T1 Öl mit den entsprechenden Adaptern (2 Arten) Öl in sie hinein spritzen – ein bisschen, gerade mal, bis vorn was raus kommt, dann die Winkelstücke auf dem Kopf stehend, stehen lassen über Nacht. Es gibt keinen Ständer. Nächsten Tag aufstecken und ca. 30 Sekunden jedes Stück mit Wasser laufen lassen über dem Speibecken!!! wichtig, es darf kein Öl mehr im Winkelstück sein, das im Schaft zurücklaufen kann und in die Schlauchansätze läuft, das versottet die Motoren, die an den Schläuchen sind. Nach dem Ölen können die Handstücke auch in den Autoclaven.
--Wenn Spül bzw. Antikalkmittel für das Frischwassersystem vorhanden sind, dann Mittel in die Flasche füllen und durchlaufen lassen, dazu jedes Handstück so lange laufen lassen, bis sicher ist, dass das Mittel am Handstück und am Speibeckenspüler und am Wasserbecherfüller wieder rauskommt ( oft an der Farbe des Mittels zu erkennen) -- in diesem Fall am nächsten Arbeitstag Flasche wieder mit sauberem Wasser befüllen und alle Handstücke, und Becherfüller so lange laufen lassen, bis Wasser wieder klar, das da rauskommt. (hatte ich nicht)
Vorbereitung des Sprechzimmers früh
--Geräte anschalten
--Kontrolle, ob ausreichend vorhanden:
-Handtücher
-Soft tissues
-Handschuhe, Masken
-Watterollen auf Arztseite nachlegen
-Alkohol in den Sprühflaschen und im Händedesinfektionsbehälter
-Seifenlösung im Spender
--Steri ausräumen und Gerät in die Schränke räumen
--Dokumentationsbuch vorbereiten
--Falls nötig, neue Instrumentenbadlösung ansetzen (ca. 1x pro Woche)
--wenn Handstücke geölt wurden, dann durchspülen, siehe oben
--in Deutschland lässt man das Frischwasser eine Weile laufen, damit das Abgestandene rausgespült wird
Überprüfung durch den Zahnarzt:
--am Besten möglich durch Kontrolle der Siebe – eines oben, der runde Deckel am
Helferinnenelement, abziehen, Sieb muss sauber sein und!!! leicht rausgehen, das andere Sieb ist in der Einheit, am Besten zeigen lassen
--Kontrolle, wann die Handstücke das letzte Mal im Autoclav waren ( ca. jeder 2 Tag)
--allgemeine Ordnung im Zimmer
--Staub auf Röntgengerät, Röntgenbildbetrachter, Arbeitsflächenrändern
--es dürfen über Nacht keine Bohrer oder Instrumente in Lösung liegen
11.Sport
--wer Lust auf Sport hat, kann nach meinen Erfahrungen Folgendes tun:
-Joggen, ich war paar Mal, Hauptstrasse, Nebenstrasse, Armenviertel, alles kein Problem,
schön flach ist es hier auch überall, aber nur im Hellen joggen
-Surfen am Cape point – hab ich nicht gefunden
-Volleyball – 1 Netz hab ich auf der Südtour entdeckt
-Fußball wird überall gespielt, wer es gut kann, kann vielleicht mitspielen
12.Frauen
--Männers, nehmt Euch in acht, dieses Volk hat das Schlanksein gebucht, das Wort „lasziv“ (schreibt man es so?) bekommt hier eine neue Dimension. Aber:Das Land hat wohl eine der höchsten Geburtenraten der Welt. Mein Tipp: kucken o.k., aber nicht anfassen. (für die ganz Unverbesserlichen – ca. 25 % AIDS Durchseuchung sagt der Reiseführer.)
13.Männer
Man findet sie überall, aber im Senegambia Hotel, am Strand, gibt es eine Freiluftfitnissecke, wo ein paar Gambier trainierten, einer schwärzer und perfekter gebaut, als der andere. Da kommt man sich schon bissel dürftig vor. Aber, von denen mal abgesehen, gibt es nur sehr wenige männliche Gambier, deren Äußerliches (im Unterschied zu den Frauen), zumindest theoretisch auf eine wünschenswerte Körperpflege schließen lässt (in einem Land mit Wassermangel und Armut vielleicht auch zuviel verlangt). Dennoch, es gibt an allen Ecken alleinreisende weiße Frauen, die gut sichtbar mit einem Gambier mehr als nur die Tageserlebnisse teilen. Thema AIDS hatte ich schon beim Thema Frauen.
14.Kinder
Leute, die Babies sind sooo süß. Große Knopfaugen, die neugierig in der Welt herumkucken. 2-4 Jährige, die Dich schüchtern anlächeln und Dir zaghaft zuwinken, oder, wie mir mehrfach passiert, die Deine weiße Haut mal anfassen wollen. Das endet dann leider meist so mit 5 – 6 Jahren. Dann wird das Betteln häufiger (bei weitem nicht alle, aber man vermeidet zunehmend Blickkontakt um Vorzubeugen.
15.Gambier
Überhaupt gibt es 2 Arten von Gambier – die, die dich gar nicht wahrnehmen und mimiklos durch Dich hindurch schauen und dann die, die Dich ansehen und – so Du lächelst – ganz offen zurücklächeln, oft noch ein „How are you“ hinterherschicken.
Die Gruppe der nervenden Schlepper, Ladenbesitzer und Boomster lasse ich mal außen vor. Die nerven zwar und machen 80% der Kontakte mit Gambiern aus, sind aber trotzdem nur stark in Minderzahl (außer direkt in den Touristenhochburgen)
16.Auto fahren
Also ich bin bestimmt ein erfahrener Fahrer, mit nationalem und internationalem Führerschein und ohne Angst vor dem Auto gegenüber. Aber wer es nicht für´s Ego braucht, der sollte es lassen. Alasana fährt uns immer und wenn mal doch nicht, dann kostet das Taxi paar Dalasi. Es ist unmöglich, sich in kurzer Zeit sicher auf den Strassen von Serrekunda bewegen zu können. Es ist oft Zentimetersache und Kinder, Hühner Ziegen, Frauen, selbst Affen in Kololi, und Männer (die Reihenfolge ist rein zufällig gewählt!), wechseln ständig die Straßenseite, laufen auf der Strasse, zwischen den Autos. Ich hab mir abgewöhnt, auf den Verkehr zu achten, man ist ständig damit beschäftigt, mitzubremsen. Alasana war 8 Jahre Notfallambulanzfahrer, der macht das schon.
17.Englisch
Wer gut englisch spricht, hat einen Vorteil. Wer bisschen Englisch spricht, so wie ich, kommt auch gut durch. „Englisch für Zahnärzte“ zu studieren, ist kein Fehler, aber hier wird ein Englisch gesprochen, das sich doch ein wenig von London unterscheidet. Ich hab mir den Ousman geschnappt und hab mir alle Instrumente von ihm ansagen lassen. Sehr interessant.
18.Mitnehmen
--Schwarzbrot, den Spiegel, die TAZ für Gudrun und Beatrice sind Pflicht (auch Wurst
schafft Freundschaft)
--ein paar kleine Geschenke, typisch, deutsch sind immer mal günstig
--kleine Spielzeugautos oder Ringe für die Kinder waren gut
--Medikamente sind in der Klinik gern gesehen
--Zahnbürsten kommen gut als Mitgabeartikel
--Stromadapter mit 3 Polen ist nötig
19. Gepäck
Nach meinem Wissensstand sind ab Buchungen nach dem 1.1.2010 bei Lufthansa nur noch 1 Kiste/Tasche mit 20 kg plus einem Handgepäckstück 40x50x20, das mit ins Flugzeug genommen werden darf, ca. 8 kg, meines wog ca. 16 kg, plus einer Umhängetasche, meine wog ca. 6 kg, zulässig.. Das ging alles schon, weil das Handgepäck nicht gewogen wird, aber beim Koffer kucken sie ganz genau, sonst zahlt man horrende Übergepäckgebühren. Die 20 kg Gepäckgrenze ist aber nicht sicher. Vielleicht gehen doch noch 46 kg wie früher. Bitte selber schlau machen.
20. Prophylaxe in Schulen
Ich habe eine Schule durchuntersucht, 240 Kinder, ca. 200 Kinder haben im Schnitt 6,6 kariöse Zähne. Prophylaxe mit den Kindern erscheint mir ein aussichtsloses Unterfangen, rein von der Logistik. Die Lehrer sehen nicht besser aus.
PS: meinen Reisebericht, den ich meinen Freunden und Spendern geschickt habe, könnt ihr auf meiner Homepage unter Gambiatagebuch lesen, wenn ihr wollt.
Viel Spaß bei diesem Abenteuer
FW tipps_fuer_Kollegen |