Sonntag, 21.10.18 Halb 7 war Wecken. Wir bekamen in unserem kleinen, niedlichen Hotel mit dem sehr sympathischen Betreiberehepaar ein extrafrühes Frühstück. Sie, die Kambodschanerin erzählte uns gestern Abend mit glänzenden Augen, dass es ein Wunder ist, das sie ihren Mann getroffen hat. Sie arbeitete in einem Hotel und bearbeitete die Reservierung eines syrischen Urlaubers. Da gab es ein Problem und so hat sie ihn kennengelernt. Ich staunte schon ein bisschen, wie es einen Syrer hierher verschlägt. „Ich dachte, die sind jetzt alle bei uns“, sagte ich so im Spaß. Sie erwiderte mein Lachen und meinte: „nein, einer, meiner, ist hier“ Sie standen dann Hand in Hand am Tor und winkten uns hinterher. Also, um nicht falsch verstanden zu werden. Der Umgang zwischen Mann und Frau, egal ob alt oder jung, scheint hier völlig gleichberechtigt zu sein, auf Augenhöhe halt und das nicht nur hinter verschlossenen Türen. Das schien schon in Vietnam so zu sein und die ganzen chinesischen Paare die hier Urlaub machen, zeigen auch keine Hierarchie wie anderswo auf der Welt, aber Zärtlichkeiten hab ich hier auch noch nicht gesehen.Gegen Mittag waren wir im neuen Hotel in Phnom penh. Sehr nette Begrüßung. Wir bekamen auch ein Zimmer, getrennte Betten, wie extra gewünscht, aber ohne Balkon. Ich bat darum, das zu prüfen. Das klappte und wir bekamen ein Zimmer mit Balkon - aber ohne getrennte Betten. Das hatte der Rezeptionist schon wieder vergessen. Wir nahmen es trotzdem – und räumten es um. Der Balkon – 1m x 80 cm. 1 Stuhl passte drauf. Ich saß dann mal Probe, aber nicht lange, weil das Außenteil der Klimaanlage auch auf dem Balkon, über dem Stuhl installiert war und die ganze Zeit so vor sich hin und auf den darunter sitzenden Gast tropft. Egal, sonst war das Zimmer schön.Wir waren erst am Pool, spazierten dann durch Phnom Penh, aßen Abendbrot. Bei mir gab es heute Froschschenkel mit Reis, war ganz lecker, nur diese kleinen Miniknochen sind wie Gräten, bleiben überall hängen.Jetzt faulenzen wir und dann geht’s morgen zu einer weiteren, hoffentlich arbeitsreichen Mission. Montag, 22.10.18 Wir hatten einen langen Weg bis zu der Schule, außerhalb der Stadt, wo wir heute arbeiten sollten. Der Taxifahrer suchte wieder eine Weile. Adressen finden scheint echt nicht einfach zu sein. Der Tag war dann arbeitsam. Heute viele sehr kleine Kinder, oft 5-6 Jahre alt. Alle sehr lieb, alle total zerstörte Gebisse. Wir reparierten einfach überall ein bisschen. Nur bei einem Kind musste ich dann doch endgültig die Segel streichen. Kein gesunder Zahn im Mund, kein noch behandelbarer Zahn im Mund, keine Schmerzen – was tun? Wir waren beide ganz schön geschafft, weshalb wir dann auch nur am Pool Pizza essen waren. Dienstag, 23.10.18 Es ist erst halb 11 vormittags und ich schreibe schon. Nun, heut ist hier Feiertag der Unabhängigkeit von Frankreich. Das war irgendwann noch vor Pol Pot und Bürgerkrieg. Auf jeden Fall haben wir frei und waren mal ausführlich frühstücken, incl. kambodschanischer Suppe, europäischem Rührei, englischen baked beans, exotischen Früchten, leckerem Kuchen usw. Ich kann mich jedenfalls kaum noch bewegen. Gegen gutes Hotelfrühstücksbufett bin ich halt hilflos. Aber da Helene beschlossen hat, das heut Stadtführung durch die Einkaufstempel dran ist, ist eine Basis gar nicht schlecht. Zentral Market, Orissey Market, Russian Market, Aeon Mall, Citymall…. Mal sehen, wie lange ich durchhalte. Aber heut müssen in der Tat alle Mitbringsel her, die wir noch brauchen. Familie, Arbeitsteam na und wir selbst wollen ja auch überrascht werden. Dann mal los.---- ----   so, nun ist der Tag durch. Wir waren wirklich lange im Zentral Market. Der ist ganz schön, weil sehr viel sauberer, großzügig angelegt und damit nicht so stickig wie der Orissey Markt. Wir wanderten – mit System (schließlich war ich mit Helene shoppen) die Gänge ab. Erst fanden wir nichts, was uns so richtig gefiel, aber nach und nach wurden die Einkaufstüten doch voller. Dann, als wir das 3. Mal an den Elektroständen vorbeischlenderten, passierte es.Es begann mit einer Lautsprecherbox – mit ganz vielen zusätzlichen Funktionen. Eine solche hatten wir uns schon vor ein paar Tagen in einem Mediafachmarkt angesehen, aber da die dort nur 10 Euro billiger war, als in Deutschland, kauften wir sie nicht. Und heute? Heute gab es die Box für 25 Euro statt 130. Und da passierte irgendwas in irgendeinem besonders dummen Teil unserer Köpfe. Nennt man es Kaufrausch? Jedenfalls mussten wir sie dringend kaufen. Der Witz? Musik überträgt sie auch, aber alle anderen in Deutschland angepriesenen Funktionen testeten wir gar nicht erst. Das sie wasserfest sein sollte, hätten wir sicher nicht testen können (lustige Vorstellung), aber telefonierfähig, integrierte Powerbank usw. --- das gibt es alles nicht. Leider haben wir das erst zu Hause bemerkt. Wenn es dabei mal geblieben wäre. Aber ich konnte auch dem Kauf von Ear pods nicht widerstehen, die hier quasi jeder hat. Leider funktionieren auch die nur sehr bedingt. Aber ansonsten haben wir auch viele schöne Sachen gekauft. Dennoch hab ich mich geärgert. Weniger über den Geldverlust. Soviel hat das nicht gekostet. Mehr über diese immer mal wiederkehrende Dummheit.Wir haben uns dann eine Weile am Pool getröstet und sind noch mal zur Uferpromenade des Mekong gelaufen. Haben dann mitten im Rotlichtviertel in einer netten und unverfänglichen Gaststätte Abendbrot gegessen. Warum dort ? – weil es genau da anfing, stark zu regnen. Mittwoch, 24. 10.18 Das war ja wieder ein Tag. 6.15 wecken, kein Frühstück weil kurz nach halb los, damit wir deutsch = pünktlich 7.15 am vereinbarten Ort an einer Tankstelle stehen und vom Klinikbus eingesammelt werden können. Ganz wichtig, laut Managerin, weil die Anfahrt zur heutigen Mission sehr weit ist – ca. 1,5 Stunden. Alles klar. Wir waren da.Und dann? Die treffpunktsvereinbarte Tankstelle war stillgelegt, also keine Chance auf Wifi – Kontakt mit der Klinik. Dafür kann keiner was. Kein Auto da, auch nicht halb, auch nicht dreiviertel. Wir suchten uns ein Kaffee in der Nähe, hatten dann Internet – nur die Managerin war noch nicht online, also keine Chance zu fragen, was passiert ist .Kurz vor 8 war sie es dann und teilte uns mit, dass das Auto jetzt losfährt. Eingesammelt wurden wir dann 8.40.  Helene war sauer, ich schon eher resigniert.Dennoch, der Tag war gut. Wir retteten einigen jungen Mädchen – zumindest vorerst - ihre brutal zerstörten bleibenden Frontzähne und zogen schätzungsweise 40 bis 60 Zähne. Nebenher hätte ich die ganze Zeit heulen mögen. Es waren so viele 6 bis 10 jährige Kinder dabei, deren bleibende Backenzähne schon komplett verfault waren, ganz abgesehen von den Milchzähnen, dass man den Glauben verlieren konnte. Gegen 4 waren die Handschuhe und das Anästhesiematerial alle und fast alle chirurgischen Instrumente benutzt, sodass wir Schluss machten und zurück fuhren.Die Kinder sind fast ausnahmslos sehr tapfer. Hier wird jedes Kind gefragt, ob es die vorgeschlagene Behandlung auch bekommen möchte, egal ob 5 oder 12 Jahre alt. Ein einziges Kind sagte nein zu einer Extraktion, alle anderen ließen sich überzeugen. Allerdings stand uns heut auch wieder ein engagiertes Lehrerteam zur Seite. Ein paar Leute aus dem Ort kamen auch vorbei. Einer wollte gern eine Zahnreinigung. Helene empfahl ihm stattdessen eine Zahnbürste gegen die dicken Beläge. Ein Anderer wollte den – bei ihm natürlichen- Spalt zwischen den beiden oberen mittleren Fronzähnen geschlossen haben, hatte aber außer den beiden Zähnen nur noch Stummel und Wurzelreste im Mund. Wie schon gesagt, das Zahnbewusstsein ist hier anders entwickelt als zu Hause.Behandelt haben wir in einem dunklen Klassenzimmer, ohne Lampen oder solchen Schnickschnack. Das Klo der Schule konnte man benutzen bis zum ersten Regenguss, dann war rundherum knöcheltief Wasser. Apropos Wasser, als es anfing zu regnen, wurde sicherheitshalber der Strom abgestellt. Wenn man die Elektroinstallationen hier sieht ist das sehr verständlich. Nur Bescheid gesagt hat uns keiner, was mitten beim Bohren schon ein wenig störend war.Mittag gegessen haben wir zusammen mit den Lehrern. Die stellten den Reis, unsere Managerin hatte für uns vorgekocht. So geht das jetzt die ganze Zeit. Ich ärgere mich über Dinge, die die Chefin versaubeutelt und bewundere sie im nächsten Moment für ihr Engagement, um mich dann gleich wieder über das Nächste zu ärgern. So wechselt das ständig.Vielleicht bin ich einfach nur zu deutsch für die Gegend. Ach ja, die Gegend. Wirsind heute die Staatsstraße rausgefahren an der ich vor 5 Jahren gewohnt habe. Damals ländliche Idylle. Ein paar Hütten entlang der Straße, dahinter Wiese oder Felder. Zwischendrin immer mal eine Pagode, also Gotteshaus.Heute: ein neues Haus am anderen, 3 stöcker, 10 stöcker. Dahinter Firmengelände, riesige Hallen, Wohnanlagen - eine völlig andere Welt. Vielleicht sollten wir mal ein paar Kambodschaner überreden zu uns zu kommen, die bauen uns dann ratz fatz fertig, was wir in Berlin und anderswo nicht gebacken bekommen. Donnerstag ,25.10.18 Heute klappte alles wie am Schnürchen. Wir waren in der gleichen Schule wie gestern, behandelten wieder ca. 50 Patienten, waren wieder am Verzweifeln wegen der Aussichtslosigkeit, machten so viele Füllungen wie möglich, zogen aber bestimmt wieder um die 30 – 40 Zähne. Zu Mittag gab es Selbstgekochtes von einer Lehrerin, extra für uns und zum Abschluss ganz viel Danke und 2 Blumensträuße aus Kunstblumen. Dazu wurden Millionen Fotos geschossen. Fotos mögen sie hier besonders. Nach einem Poolbad und einem Poolbier ging es ein letztes Mal in die Stadt, ein letztes Mal Khmerfood.Dann wurde gepackt und auf zu Hause gefreut. Freitag, 26.10.18 Wir wollten noch mal pünktlich sein also waren wir 8.15 in der Klinik. Da ging es dann direkt ab bis gegen drei. Viele Patienten, auch welche aus dem Dorf von gestern. Einem 14 jährigen Jungen machte ich dann mal eben 7 Füllungen an den 4 oberen Frontzähnen. Nicht perfekt, aber zu vorher - wunderbar. Ein Amerikaner, der hier in der Stadt mit einem Verein Straßenkinder betreut, kam mit 2 neunjährigen Jungs zum Zahn ziehen. Neun Jahre alt - davon war in deren Verhalten kaum etwas zu spüren. Nur Bitterkeit und Abweisung. Und dennoch, jeder bekam ein Plüschtier und ganz ganz kurz veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Als wollte sich ein Lächeln in die Augen schleichen, dass aber sofort wieder erlosch.Eine junge, vielleicht 22 jährige Frau, gepflegt gekleidet, kam und wollte, dass ich ihren völlig zerbrochenen seitlichen Schneidezahn, Eckzahn und den Vierer dahinter bitte wieder schön mache. Wir haben uns aufs Ziehen geeinigt.Eine Mutter brachte ihren 7 jährigen Sohn vorbei. 4 bleibende Zähne und 19 Milchzähne – oder anders gesagt, 23 völlig verfaulte Zähne hatte er. Ich habe ihnen erklärt, wie man putzt. Er hatte keine Schmerzen und ich wusste beim besten Willen nicht, was ich hätte tun sollen.Ein fünfjähriges Mädchen mit einem ziemlich entzündeten Milchbackenzahn wurde von seiner Tante gebracht. Tante wollte, dass ich den Zahn zog, das Mädchen nicht. Da hier ohne die Einwilligung des Patienten, egal wie alt, nichts geht, ging sie wieder. Ein Patient, bei welchem irgendwo in der Stadt vor einem halben Jahr eine Wurzelbehandlung begonnen worden war, kam und wollte nun endlich eine Füllung in das Loch, aber sonst keine weitere Behandlung. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass das der falsche Weg ist. Chancenlos. Die -heute anwesende, einheimische Zahnärztin (die hier immer arbeitet) wurde dazu gebeten und entschied, dass er die Füllung bekommen soll, weil die Zunge schon so wundgescheuert war. Ich hätte weiterdiskutieren können, aber am Ende bin ich seinem Wunsch gefolgt. Zahnmedizin im Grenzbereich. Zum Abschluss führte uns unsere Managerin noch in die Bibliothek der Pagode, hielt eine nette kleine Dankesrede, erzählte uns ein bisschen über die schwierige Arbeit des Vereins. Infos, die ich mir am Anfang gewünscht hätte. Es ist schon nicht ganz leicht hier Gutes zu tun. Da nur wenige Kambodschaner wirklich die Chance erkennen, die eine kostenlos arbeitende Zahnarztpraxis den Menschen bietet. Dazu kommen viele Genehmigungen, die von Behörden eingeholt werden müssen. Beamte müssen geschmiert werden, damit der Verein seine karitative Tätigkeit überhaupt ausführen darf. Personal ist ganz schwer zu bekommen. Die Bildungsschere scheint riesig zu sein. Entweder die jungen Leute sind gut beschult, dann wollen sie studieren – oder quasi gar nicht. Dann fehlt es an allem, inkl. englischer Sprache, Arbeitsausdauer und Bereitschaft sich weiterzubilden. Heut gab es ein Zertifikat, viele Fotos und 2 richtig schöne Lebendblumensträuße. Die verschenkten wir dann am Flughafen an 2 Putzfrauen. Sie hätten den Flug nicht überstanden. Die beiden haben sich sehr gefreut. Hoffentlich gibt’s abends keinen Ärger mit dem Gatten. Das finale Shoppen in Flughafennähe viel dann aus Zeitgründen aus und nun geht es gleich heimwärts. Finale Damit endet das Tagebuch dieses Asienaufenthaltes. Würden wir es in Phnom Penh wieder machen? Diese Frage haben wir gestern diskutiert. Wer die Zeilen gelesen hat, hat es ja bemerkt. Zwischendrin war ich ganz schön sauer. Aber insgesamt betrachtet, lief es doch ziemlich gut. Wir hatten mehrere Tage die Möglichkeit, Tropfen auf den heißen Stein zu schütten. Rückwirkend glaube ich, dass ich wie jedes Mal die Erwartung etwas zu hoch geschraubt habe. Ob es auch ohne mein Drängeln so viele Missionen gegeben hätte, weiß ich nicht. Wir haben vielleicht ein bisschen genervt, aber niemanden beleidigt und am Ende dieses recht positive Fazit ziehen können. Lassen wir es die Zeit entscheiden. Es gibt den Bedarf, es gibt den Verein – und es gibt auch noch andere Flecken auf der Erde, wo der Bedarf groß ist. Madagaskar, Mongolei, Lateinamerika…….Darüber denke ich dann nächstes Jahr nach. Last not least: Von den etwa 2625,-, welche ich durch Firmenspenden an den Verein vermitteln durfte, konnte eine neue Behandlungseinheit mitfinanziert werden. Von der 530,- Euro, welche uns von unseren Patienten mit auf den Weg gegeben wurden, haben wir 300,- der Stiftung übergeben, welche die Schule der letzten 2 Arbeitstage betreut. Davon werden Zahnbürsten und Zahnpasten gekauft und die Lehrerinnen haben fest versprochen, mit den Kindern regelmäßig zu putzen.100,- Euro sind direkt in das Tagesgeschäft der Klinik geflossen.Die Plüschtiere, die wir ebenfalls von Freunden und Patienten erhalten hatten, waren überhaupt das Allerbeste und haben leuchtende Kinderaugen hervorgerufen. Die Plüschtiere, welche wir nicht mitnehmen konnten, weil die Rucksäcke zu klein waren, werden bei nächster Gelegenheit verkauft oder versteigert und der Erlös wird dann in das nächste Projekt fließen. Die restlichen 130,-  Euro werde ich nächste Woche an den Vereinsvorsitzenden überweisen, sodass davon dann noch Verbrauchsmaterialien finanziert werden können. Spenderliste: Büker Zahntechnik Dresden Stöckert Hausverwaltung GmbH Hirschapotheke Heidenau Apotheke im Real Holzindustrie Dresden GmbH Reifenwerk Heidenau Dr. Brückner Dresden Hotel Reichskrone Heidenau Rechtsanwaltskanzlei Taugnitz Heidenau Drogenmühle Heidenau KFZ Service Heidenau Tischlerei Neuber Neuhausen/Erzgebirge Viele unserer Patienten
Wir möchten uns noch einmal bei allen Spendern ganz herzlich für ihre Unterstützung bedanken. Frank Würfel und Helene Bichtemann (Würfel)