Freitag, 23.4.10 Wie die Zeit vergeht, jetzt bin ich schon über 2 Wochen hier oder nur noch weniger als 1 Woche. Wie man es nimmt. Der Tag war arbeitsreich, aber damit will ich Euch nicht zu sehr langweilen. (nur ein bisschen muss ich schon darüber schreiben, sonst denken meine Freunde, ich hab hier nur Holiday veranstaltet). Nach einem schönen Frühstück hab ich Annett die Klinik und der Klinik Annett vorgestellt. Bis ca. 12 Uhr ging es für Annett ganz gut ruhig zu, dann wurde die Hektik doch so groß, dass sie mit ran musste, ich kann eben keinen sitzen sehen, nicht war liebes Team. Eigentlich war es ein fürchterlicher Tag. Ich hab von 16 Patienten - 3 Patienten, im, nun sagen wir, nicht vollständig betäubten Kieferbereich, Zähne gezogen,. Ich finde das ganz schrecklich, aber es gibt vereiterte Backenzähne, da geht es nach der 3. Spritze nur noch mit Augen zu und durch – und beten, das nichts abbricht, weil, dann kommt man gar nicht mehr ran. Die armen Menschen. Zahnärzte sind eben doch böse, zu mindestens manchmal. Und wenn dann so ein armer Patient aus seinem Leid keine Mördergrube macht, so akustisch und so und man nimmt als nächstes ein 13 jähriges Mädchen auf den Stuhl und erklärt ihr nach kurzer Untersuchung, dass da ein Zahn raus muss, frage ich mich, was geht in dem kleinen Köpfchen vor. Das Geschrei noch im Ohr, den bösen Mann vor Augen, da könnte ich schon vor Mitleid schwach werden, nur, das hilft dem Kerlchen dann auch nicht wirklich. Denn der Zahnarzt geht, aber der vereiterte Zahn bleibt. Na jedenfalls komme ich für diesen Tag nicht auf die Liste der beliebtesten Personen. Nachmittag war dann Monkeytag. Nachdem ich ja letzte Woche schon 3-mal vorbeigejoggt war, sind wir nach ca. 5 km Strandwanderung in den Bjielo – Monkey - Park gegangen. War auch sehr schön, aber seit heute weiß ich, das Palmen eigentlich keine schönen Bäume sind (im Topf vielleicht, aber in Natura eben nicht). Bevor wir in den Park hinein konnten, galt es, ein paar, dieses Mal wirklich nervende Möchtegernführer loszuwerden. Nun, es ist uns gelungen. Außer den Affen, die es in großer Zahl gab, haben wir sogar einige wirklich exotische Vögel aus der Nähe gesehen. Nun sitze ich hier im erfrischenden Wind, der vom Atlantik hereinweht und gleich werden wir mit den beiden Klinikleiterinnen noch schön irgendwo gambisch essen gehen. Gestern im Internet hab ich gesehen, dass ihr Menschen in Deutschland immer noch mit Nachtfrösten zu kämpfen habt. Ihr tut mir richtig leid. Samstag, 24.4.10 Heut war wieder mal ein Tag mit nicht so viel Arbeit und wenig Menschenquälerei. Da haben wir die Zeit genutzt, um Inventur zu machen. Damit wir hinterher wissen, was wieder rangeschafft werden muss und vielleicht auch ein bisschen, um zu zeigen, dass wir wissen, was zurzeit da ist, damit das auch so bleibt. In einem Land, in dem es an allem fehlt, zumindest im zahnärztlichen Bereich, kommt auch schnell mal was weg. Das kennen wir ja noch aus den Honi – Zeiten. Nachmittag war wieder Gambia angesagt. Erst haben wir uns den Abuko - Naturpark angesehen. Der war sehr schön. Mit Affen, Vögeln und so Krauchzeug. Sogar eine Schlange haben die Anderen gesichtet – ich leider nicht. Dann war da eine Waisenstation für Paviane, da konnte man auch mal die Tiere aus der Nähe beobachten, ein Gehege mit Hyänen – sind das hässliche Viecher und gefährlich sollen sie auch sein, wenn man sich ihnen als Freilandfutter darbietet. Geier ohne Ende und Papageien. Unser Parkführer wollte dann nach der halben Strecke sein Geld haben. Ich hab ihm gegeben, was ich für angemessen hielt. Irgendwie hatten wir aber doch unterschiedliche Vorstellungen von der Summe. Ich blieb standhaft. Als er dann auf dem Rückweg zu erkennen gab, dass er ganz leidlich deutsch sprach, war ich darüber auch froh, weil, er hätte ja die Führung auch in Deutsch machen können, dann hätten wir noch mehr verstanden. Warum er es nicht getan hat, bleibt sein Geheimnis. Schüchternheit war es jedenfalls nicht, diese Eigenschaft wird – zumindest den männlichen Gambiern - nicht vererbt. (das Problem ist immer wieder, dass man beim Geben von Trinkgeld einerseits nicht kleinlich sein will, andererseits aber auch nicht so gnadenlos über den Tisch gezogen werden möchte, dass die Gambies hinterher womöglich vor Lachen in Ohnmacht fallen. Das ist immer wieder schwierig) Dann ging es zur Lamin Logde, damit auch Annett die Mangrovenlandschaft am Gambia-River bewundern konnte. Der Fluss hat durch die Gezeiten noch über 150 km den Bach hinauf, salzhaltiges Wasser, was eben nur Mangroven erlaubt, an seinen Ufern zu wachsen. Allen anderen Ufergewächsen bekommt das Salz nicht. Deshalb kann man auch Delphinschulen noch weit im Flußmündungsbereich schwimmen sehen.Und dann hab ich sie noch über den Fischmarkt geschleift – Fisch, Gestank, Fischer, die dich belagern, damit du ihren und nur ihren Fisch kaufst (ich!!), aber davon hab ich ja schon erzählt. Kurzer Stopp am Supermarkt und dann ging es zurück ins Hotel. Süß war heut früh ein kleines, ca. 4 Jahre altes Mädchen, dessen Mama mit dem Baby stundenlang irgendwo in der Klinik zubrachte. Erst kam sie ganz schüchtern ins Sprechzimmer, setzte sich auf einen Stuhl und sah uns zu. Dann wurde sie langsam zutraulicher, krabbelte bei Annett auf den Schoß und ne Stunde später war sie so aufgetaut, dass sie anfing, unsere Schränke nach Spielzeug zu durchsuchen. Heute hatte ich auch das erste Mal so was wie ein leises Heimwehgefühl. Nicht doll, aber es sagte mir doch, dass es langsam dem Ende entgegengehen könnte. Tut es ja auch. Sonntag, 25.4. Da heute arbeitsfrei war, durfte Annett bis dreiviertel Acht schlafen. Nach einem immer wieder idyllischen Frühstück mit Blick aufs Meer, ging es noch mal zu der Schlangenfarm, in der ich ja schon war. Annett mit einer Königspython um den Hals, da hat sich schon die Fahrt gelohnt. Von den vielen interessanten Erläuterungen des Führers war wohl die Witzigste, dass das Gift der Spuckkobra, die vorzugsweise auf die Augen ihrer Opfer zielt, diese erblinden lässt, wenn nicht innerhalb von 5 Minuten das Auge ausgewaschen wird. Wartet man weitere 7 Stunden, ist man meistens tot. Nach Meinung des Führers ist so ein Angriff dieser Schlange der einzige sozial akzeptable Grund, einem Anderen ins Gesicht zu pinkeln. Wenn`s hilft. Interessant war auch, dass bei Bissen von giftigen Schlangen nur 40 % der Menschen ein Problem bekommen, weil die Schlangen nicht immer ihr Gift injizieren, weitere 40 % der Opfer sterben zwar, aber nicht an Vergiftung, sondern am Schock, wegen der Angst, die durch den Schlangenangriff ausgelöst wird und nur 20 % wirklich am Schlangengift. Also einfach locker bleiben. Oder wusstet ihr, dass Chamäleons gar nicht ihre Hautfarbe der Umgebung anpassen, sondern dass die Hautoberfläche nur irgendwie so beschaffen ist, dass durch die Lichtreflektion und die, das Tierchen umgebenden, farbintensiven Pflanzen die Tiere für das Auge der Betrachter verschieden aussehen – hat er gesagt! Im Rattenkäfig saß dieses Mal eine weniger als vor 2 Wochen, die Dritte durften wir im Bauch der Kopra erfühlen. Nach so viel Weiterbildung ging es zu einem kurzen Zwischenstopp in eine Lodge am Wegesrand, wo die unter Euch, die Einsamkeit suchen, wirklich glücklich werden können. Menschenleere Strände, so weit das Auge reicht. Mir wäre es zu einsam. Dann stand das Tanji Village Museum auf dem Programm. Liebe Gambiareisende, das ist Pflicht. Neben Informationen zu Flora und Fauna des Landes, Musikinstrumenten und traditionellen Webverfahren ist dort ein Familiencompount aufgebaut, so, wie es auch in Roots beschrieben wurde. Da hat Papa eine Hütte für sich, die Jungs ab 12 Jahre wohnen in der Jugendhütte, unter dem wachsamen Auge von Papa. Die bis zu maximal 4 Ehefrauen teilen sich mit den Kleinen eine weitere Hütte. Jede Frau muss 2 Tage in der Hütte von Papa Ordnung halten, Feuer machen, essen bringen usw. Spaß gibt es nur nachts in Papas Hütte, nach Papas Entscheidung. Hach ja, die alten Zeiten… . Das war wirklich alles spannend. Der Hafen von Tanji unterschied sich dann wieder nicht von Bacau, kennste einen, kennste alle. Damit war es dann auch genug Sightseeing für einen Tag und wir verbrachten den Rest mit Baden im Ozean, faul sein und alte Aufzeichnungen lesen. Montag, 26.4. Hat schon einer mal ein Krokodil gestreichelt? Ihr dürft mich jetzt Krokodilfestus nennen. Wir waren heute im Krokodilpark von Kichigalli. Da liegen Dutzende von kleinen und großen Krokos in der Gegend rum. Die meisten rund um den Tümpel, der da ist. Eins lag direkt am Rundweg und während wir begeistert dieses aus der Nähe betrachteten und wie gesagt, streichelten, zeigte uns unser Führer, das hinter uns im Laub noch eins rumlag, so ca. 2 m lang. Sehr respektabel. Aber angeblich sollen die nie beißen, weil die heilig sind und die Leute kommen dahin, weil das Berühren gesund oder schwanger macht oder solche Sachen eben. Ansonsten weht hier ne steife Priese, es ist regelrecht kühl, so 25 Grad. Auf Arbeit war es nett, ich hab heut einen Weißheitszahn rausgefummelt, da stand mir der blanke Schweiß auf der Stirn, weil es zwischendurch so aussah, als wenn der sturer wäre als ich. Aber nach harten 20 Minuten hab ich dann doch gewonnen. Problem ist hier, wenn mal was gar nicht geht, dann geht es auch woanders nicht, weil, mal eben zum Kieferchirurgen überweisen, ist hier nicht. Aber es ist ja alles gut gegangen. Dienstag 27.4. Liebe Leute, wenn meine Frau schon sagt, heut sei ich der Held, dann könnt ihr Euch vielleicht vorstellen, was für was Tolles ich gemacht oder besser ausgehalten habe. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nichts esse, was aus dem Wasser kommt und mal gelebt hat, außer Fischstäbchen und Büchsenfisch in Tomatensoße. Soviel dazu. Wir waren also in der Hotelgaststätte zum Abendbrot essen. Und da beschlossen wir, einmal das Tagesmenü zu bestellen, bestehend aus Suppe, Hauptgang und Dessert. Von jedem gab es 2 Auswahlmöglichkeiten. Ich frag noch Annett, ob sie als Vorspeise lieber Salat oder Fischsuppe essen möchte. Sie wünschte sich die Suppe und als netter Ehemann dachte ich so, o.k. die wirst Du schon überleben. Dann kam aber nicht zuerst die Suppe, sondern gleich das Hauptmenü – der Kellner hatte uns falsch verstanden. Sache geklärt, Hauptmenü wieder in die Küche und es kam die Suppe. Ich bot sie zunächst meiner Frau zum Verkosten an. Es dauerte 5 Sekunden, dann begann sie sich zu schütteln. Von der Suppe ging ein so duuuurchdringender Fischgeruch aus, dass wir beide die in den letzten Tagen besuchten Fischmärkte und da besonders die verfaulten Fischreste vor Augen hatten. Sie, die Fischesserin verweigerte daraufhin strikt das Essen dieses Ganges. Was sollte ich also tun. Erst beschweren wir uns, dass die Suppe nicht kommt und dann essen wir sie nicht, weil sie nach Fisch schmeckt. Irgendwie blöd. Also schaufelte ich sie tapfer in mich rein, hoffend, dass sie auch da bleiben möge. Sie war nett, sie tat es. Nun weiß ich wenigstens wieder, dass meine Abneigung gegen alles, was aus dem Wasser kommt und mal gelebt hatte, nicht grundlos ist. Dennoch war es wieder ein toller Tag. Zuerst haben wir uns eine andere Zahnarztpraxis angesehen. Kinder, 1986 im Fagaraschgebirge in Rumänien hab ich so was schon mal gesehen. Siemensstuhl von 1936, Antriebsgestänge für den Bohrer mit Seilzugantrieb, hab ich als Student noch gerade so erlebt, Plasteeimer zum Reinspucken, keine Lampe zum gut kucken können, ein Steri, der war so verbeult, dass mir nicht klar ist, wie der eine luftdichte Druckkammer bilden kann, falls er überhaupt noch benutzt wird. Das Beste, was es zu sagen gibt, es war sauber. Die Praxis auf dem Gelände eines Kindergartens -560 Kinder!!. Da fühlte ich mich doch gleich viel wohler mit unseren gebrauchten aber funktionierenden Geräten in unserer Klinik. Nach dem Besuch eines Holzmarktes, auf dem ich einen Holzgambianer und eine scharfe Machete – ein Mann braucht so was einfach – erstanden habe, ging es wieder in einen Naturpark. Wirklich schön und dazu noch ne tolle Führung und eine Fahrt in einem dieser handgeschnitzten Paddelboote durch die Mangrovenlandschaft des Gambiarivers. Ich bin jetzt savannentauglich. Ich weiß, dass man immer in der Nähe der, teil bis 4 m hohen Termitenhügel nach Wasser suchen soll. Hat man Hunger und weiß nicht, was essbar ist, läuft man einfach einer Pavianherde hinterher. Was die essen, ist auch für uns Menschen essbar. Dachte mir doch gleich, bei dem roten Hintern der Tiere, dass wir Menschen eine Menge Gemeinsamkeiten haben müssen. (Aber Vorsicht, die sind nicht immer putzig. Als wir zum Auto zurückkamen, saßen so ca. 15 (von der 60 Tiereherde) auf dem Auto und versuchten irgendwie reinzukommen. Wir wissen jetzt, wie die Pullerchen der kleinen Jungs nach der Beschneidung behandelt werden (oh Gott), und wir lernten einen Marabout – einen gambischen Medizinmann kennen. Wir hätten uns auch aus der Hand lesen lassen können oder medizinischen Rat holen dürfen, aber der war so rotzdreckig (Entschuldigung, aber so war es), da hätten wir uns eher was Ansteckendes geholt. Dafür war es umso interessanter, mit einem Seil um die Hüfte wie ein Palmenstecher eine Palme zu erklimmen. Geht viel einfacher, als ich dachte. Man darf nur nicht abrutschen, dass macht aua in der Front. Wir haben frischen Palmensaft getrunken – soviel zum Thema – „schäl es, koch es oder lass es“ und frisch vom Baum gefallene Cashews Früchte gekostet. Und ich hab es nun – nach fast 3 Wochen Gambia doch noch geschafft, einen ordentlichen Sonnenbrand zu erhaschen. So war das heute. Mittwoch , 28.4. Heut Vormittag waren wir in der Klinik, zum Sachen ordnen, sortieren, einpacken. Dann gab es noch große Aufregung, weil eine Patientin in der Klinik lag, die 2x reanimiert werden musste und die so schlechte Blutwerte hatte, dass sie dringend Blutkonserven benötigte. Da heute keine Soldaten (wie sonst oft) kurzfristig abrufbar waren, musste der Staff ran. Jeder, der A+ hatte, durfte schnell Blut spenden. Da auch unser Fahrer dazu gehörte, verschob sich unsere Heimfahrt. Nachmittags waren wir noch lange am Strand von Gambia spazieren, genossen den Wellengang und die Sonne und abends gab es afrikanisches Abendbrot bei den Klinikleiterinnen. Donnerstag 29.4. Verabschiedung in der Klinik, Faulenzen, Heimflug Damit endet mein Gambiatagebuch. Vielleicht hat es Euch ein bisschen gefallen. Genießt Euer Leben. Wir haben es so gut, da wo wir leben und wie wir leben. Frank Würfel